Der Kalender eines Ostseebads
Heiligenhafen lebt von Gästen, und deren Rhythmus bestimmt, wann hier überhaupt umgezogen werden kann. Von Ostern bis in den Oktober liegen die Wechsel eng beieinander, und sie häufen sich auf wenige Wochentage, weil Anreisen traditionell samstags und mittwochs stattfinden. Dazwischen liegt ein Fenster, das häufig weniger als vierundzwanzig Stunden umfasst.
Zwei weitere Wellen kommen dazu, und sie sind für Dauermieter die eigentlich wichtigen. Im Frühjahr ziehen Saisonkräfte zu, im Oktober ziehen sie wieder fort, und in denselben Wochen wechseln Beschäftigte aus Gastronomie, Hotellerie und Kurbetrieb ihre Wohnungen. Wer in dieser Zeit einen Wagen braucht, konkurriert nicht mit einer Handvoll Haushalten, sondern mit der halben Stadt.
Die vier Wellen im Jahr
- März und April, wenn Saisonkräfte anreisen und Wohnungen bezogen werden
- Juni bis September mit engen Fenstern zwischen zwei Belegungen
- Oktober, wenn Saisonverträge auslaufen und alles gleichzeitig auszieht
- November bis Februar, die ruhige Zeit für Umbauten und Renovierungen
Ein Tag zwischen zwei Gästen
Das engste Zeitfenster entsteht, wenn eine Wohnung am Vormittag frei wird und am Nachmittag des Folgetags wieder belegt ist. Dazwischen sollen Möbel getauscht, Matratzen erneuert oder die gesamte Ausstattung ersetzt werden, und danach muss noch gereinigt werden. Das geht nur, wenn jeder Schritt vorher feststeht und niemand am Morgen erst überlegt, was wohin soll.
Wir gehen deshalb rückwärts vor. Der letzte Punkt ist die Reinigung, davor liegt unser Abzug, davor das Einräumen, davor das Ausräumen, davor die Anfahrt. Aus dieser Kette ergibt sich eine Startzeit, und die liegt oft früher, als der Eigentümer erwartet hätte. Wo das Fenster zu klein wird, holen wir die alten Stücke schon am Vortag ab und stellen die neuen am Wechseltag zu.
So rechnen wir: 30 Stücke, 585 Euro
Das Beispiel ist eine möblierte Wohnung, die komplett neu ausgestattet wird. Nur 12 Kartons für 36 Euro, weil Geschirr und Textilien den kleinsten Teil ausmachen. Drei Betten mit Lattenrost kosten 105 Euro, zwei Kleiderschränke 90 Euro, ein Sofa und ein Schlafsofa zusammen 80 Euro. Kühlschrank und Waschmaschine ergeben 76 Euro, neun leichte Stücke wie Esstisch, Nachttische, Kommoden und Regale kommen auf 198 Euro.
In der Summe sind das 585 Euro für nur 30 gezählte Stücke. Daran sieht man, warum wir nicht nach Zimmern abrechnen: Diese Wohnung hätte als Zweizimmerwohnung gegolten, obwohl fast ausschließlich Möbel und kaum Kartons zu tragen waren. Umgekehrt zahlt eine Wohnung mit wenigen Möbeln und vielen Kartons bei uns spürbar weniger, als jede Pauschale vorsehen würde.
Inventar wandert mit, und zwar dokumentiert
Beim Saisonwechsel bleibt die Ausstattung in der Wohnung und wechselt nur den Nutzer. Genau deshalb entstehen die meisten Streitigkeiten nicht beim Tragen, sondern beim Zählen: Am Ende fehlt ein Beistelltisch, und niemand weiß, in welcher Woche er verschwunden ist. Wir notieren deshalb jedes Stück, das hinein oder hinaus geht, mit Datum und Uhrzeit.
Für Sie fällt dabei kein Mehraufwand an, denn wir zählen ohnehin. Die Aufstellung, aus der Ihre Rechnung entsteht, ist dieselbe, die Sie an Verwaltung, Eigentümer oder den nächsten Mieter weiterreichen. Auffälligkeiten halten wir zusätzlich fest, etwa einen Wasserrand auf einer Kommode, damit später klar ist, dass er nicht vom Transport stammt.
Was wir beim Wechsel schriftlich festhalten
- Jedes hinein- und hinausgetragene Stück mit Uhrzeit
- Vorhandene Beschädigungen vor dem Anheben
- Stücke, die laut Liste fehlen, mit Vermerk
- Wohin ausgetauschte Ausstattung gefahren wurde
Wetter, Wind und Wege in der Saison
Im Sommer ist die Anfahrt selbst der unsicherste Teil. Rund um den Binnensee, an der Steinwarder Halbinsel und am Yachthafen stehen an heißen Tagen Besucherfahrzeuge bis in die Wohnstraßen hinein, und ein Möbelwagen braucht mehr als eine Parklücke. Wir starten deshalb früh und klären vorher, ob eine Fläche freigehalten werden kann.
Geht es über den Fehmarnsund, kommt der Wind dazu. Hohe Fahrzeuge werden auf der Brücke bei kräftigen Böen eingeschränkt, und das trifft einen Möbelkoffer stärker als jeden Pkw. Wir sehen am Vortag in die Vorhersage und verschieben lieber die Startzeit um eine Stunde, als mit beladenem Wagen an einer gesperrten Auffahrt zu stehen.
Erreichbarkeit während der Saison
Weil die Wechseltage oft am Rand des Tages liegen, fragen viele Eigentümer nach Abend- und Wochenendfahrten. Beides ist nach Absprache und in begrenzter Zahl möglich, hängt aber daran, ob die Mannschaft an diesem Tag schon im Einsatz war. Das ist eine Aussage über unsere Fahrten, nicht über unser Telefon.
Für Angebote, Rückfragen und Terminverschiebungen gilt unverändert: Das Büro ist montags bis freitags von neun bis achtzehn Uhr besetzt. Wer außerhalb dieser Zeiten planen will, schreibt über das Formular, das jederzeit offen steht. In der Hochsaison empfehlen wir ohnehin, die Wechseltage gleich für mehrere Wochen im Voraus zu melden, statt jedes Mal einzeln anzufragen.